Die Smashing Pumpkins überraschen mit elektronischem Sound

Die Smashing Pumpkins überraschen mit elektronischem Sound

02/12/2021 Aus Von Marc

Die Smashing Pumpkins waren, neben Nirvana und Pearl Jam, die dritte große Band der Grunge-Bewegung in den 1990er Jahren. Sie lösten eine musikalische Revolution aus, nach dessen Ausbruch kein Stein auf dem anderen blieb. Gitarren waren plötzlich wieder angesagt. Das Leise-Laut-Schema des Punk hatte seinen Weg in den Mainstream gefunden und sollte dort noch lange Jahre regieren. Doch die Band selbst hatte im Laufe der Jahre immer mehr mit ihrem Bandleader Billy Corgan zu kämpfen. Mehrere Umbesetzungen folgten, bis die Band schließlich aufgab. Nach mehreren Comebacks sind nun zumindest drei Viertel der Originalbesetzung wieder aktiv. Lediglich die legendäre Bassistin D’arcy Wretzky musste bei der letzten Réunion außen vor bleiben und beschwerte sich dementsprechend wütend.

Rückkehr in die Zukunft

Nach dem eher ambivalent aufgenommenen letzten Album „SHINY AND OH SO BRIGHT, VOL. 1 / LP: NO PAST. NO FUTURE. NO SUN“ folgte kein zweiter Teil, wie der Titel vermuten ließ. Ganz im Gegenteil. Billy Corgan verordnete seiner Band wieder einmal einen radikalen Kurswechsel. Dieser erinnert ein wenig an jene Zeit als die Smashing Pumpkins noch mit Soundtrack-Beiträgen für Furore sorgten. Der elektronisch kalte Sound der neuen Platte „Cyr“ lässt Erinnerungen an „Eye“ aus dem Soundtrack zu David Lynchs Meisterwerk „Lost Highway“ und an „The End Is The Beginning Is The End“ aus dem vierten Batman-Film wach werden. Dieser Song untermalte nicht nur Georges Clooneys einzigen Auftritt als Held im Fledermaus-Kostüm, sondern auch die Superhelden-Verfilmung „Watchmen – Die Wächter“. Doch der Vergleich hinkt, denn die Qualität des Doppelalbums kann mit den Klassikern der Band nicht ganz mithalten.

„Cyr“ enthält zahlreiche großartige Songs, wie eben den Titeltrack. Doch der radikale Stilwechsel dürfte einige Kritiker und Fans massiv verstört haben. Dementsprechend stark schwanken die Kritiken zu dem ungewöhnlichen Doppelalbum. Dieses wirkt insgesamt organischer und weniger kühl als das letzte große Werk aus ihrer Blütezeit „Adore“, das bereits von elektronischen Ausflügen geprägt war. Wer hier wütende Gitarrenriffs sucht, ist fehl am Platze. Auf der Platte dominieren 80er-Jahre Synthie-Klänge die dem New Wave ihre Referenz erweisen. Neben „Cry“ stechen noch „The Color Of Love“, „Ramona“ und „Purple Blood” ganz besonders hervor. Das Album macht insgesamt durchaus Spaß, auch wenn der ungewohnte Sound erst einmal verdaut werden muss. Dass Corgan nicht gewillt ist Kompromisse einzugehen, war bereits im ersten Video zur Single „Cyr“ zu erkennen. Einen tanzenden Drummer hatten die Fans in der langen Geschichte der Smashing Pumpkins noch nie zu Gesicht bekommen. Doch genau dieser radikale Bruch mit der Vergangenheit macht auch den Reiz der Platte aus.

Rückkehr in die Zukunft
Rückkehr in die Zukunft

Sobald es die Situation wieder zulässt, möchten die Smashing Pumpkins wieder auf eine große Réunion-Tour gehen. Wie veröffentlichte Chats beweisen, wollte der große Banddiktator Billy Corgan auch seine Bassistin D’arcy Wretzky mit dabei haben. Diese kämpft mit gesundheitliche Problemen und hätte seiner Meinung nach eine große Tour nicht durchgehalten. Doch die angebotenen Gastauftritte lehnte sie ab und wütete stattdessen öffentlich über ihre Ausbootung. Wie auch immer dieser neuerliche Streit endet, die Smashing Pumpkins sind wieder in den Schlagzeilen und können auf regen Zulauf bei den Konzerten hoffen.